Berufliches Gymnasium der Kaufmännischen Schulen ermöglicht Absolventinnen und Absolventen mit Erasmus+ Berufserfahrung im europäischen Ausland
Das Abiturzeugnis ist überreicht, die Prüfungen sind geschafft – und dann? Für Lilly Wulff stand fest: Bevor es ins Studium oder in den Beruf geht, möchte sie die Welt sehen. Seit August 26 lebt und arbeitet die ehemalige Schülerin des Beruflichen Gymnasiums der Kaufmännischen Schulen Marburg (KSM) in Oslo. Ein Jahr lang absolviert sie dort ein Praktikum an der Deutsch-Norwegischen Schule – gefördert durch das EU-Programm Erasmus+ und begleitet von ihrer alten Schule.
„Ich wollte schlichtweg mehr von der Welt sehen“
„Während der letzten Schuljahre war mein Leben von festen Routinen geprägt. Gerade die Abiturzeit verlangte mir einiges ab“, erzählt Lilly. „Genau deshalb war es mir wichtig, jetzt ein eigenes Abenteuer zu starten.“ Ein neues Land erleben, Menschen kennenlernen, zum ersten Mal allein wohnen – all das reizte sie. Dass die Wahl auf eine Schule fiel, ist kein Zufall: Am Beruflichen Gymnasium hatte Lilly den Schwerpunkt Erziehungswissenschaften belegt, und die Arbeit mit Kindern hat ihr schon immer Freude bereitet.
Heute arbeitet sie in Oslo sowohl in der Betreuung als auch in einer zweiten Klasse, unterstützt im Unterricht und übernimmt eigene Aufgaben. „Mit den individuellen und kreativen Kindern wird es einfach nie langweilig“, sagt sie. Die ersten Wochen seien aufregend gewesen, doch die Menschen vor Ort hätten sie schnell ankommen lassen. In ihrer Freizeit erkundet sie die Umgebung, geht regelmäßig in die Tanzschule und genießt die Vielfalt der norwegischen Hauptstadt: „Man kann hier jederzeit spontan auf die umliegenden Inseln fahren oder direkt in der Natur wandern gehen – und hat gleichzeitig eine super moderne Stadt.“ Für die verbleibenden Monate hat sie sich viel vorgenommen: Norwegisch lernen, weitere skandinavische Länder bereisen und neue Freundschaften vertiefen.
Ihr Fazit fällt eindeutig aus: „Ich kann ein Auslandspraktikum jedem empfehlen! Man lernt in dieser Zeit unglaublich viel über sich selbst, organisiert seinen Alltag komplett eigenständig und taucht tief in eine neue Sprache und Kultur ein. Vor allem aber sammelt man unzählige unvergessliche Erlebnisse.”
Erasmus+: Europa als Lernort
Möglich macht das Erasmus+, das Bildungsprogramm der Europäischen Union für berufliche Lernerfahrungen im Ausland. Viele kennen es vor allem aus dem Studium, doch auch in der beruflichen Bildung fördert Erasmus+ Auslandspraktika – und zwar nicht nur während der Schulzeit, sondern auch für Absolventinnen und Absolventen bis zu zwölf Monate nach ihrem Abschluss. Die Aufenthalte können von wenigen Wochen bis zu einem ganzen Jahr dauern; das Programm unterstützt die Teilnehmenden finanziell bei Reise- und Aufenthaltskosten.
Bewerben können sich junge Menschen dabei nicht direkt bei der EU, die Fördermittel beantragen Bildungseinrichtungen. Genau hier setzt die KSM an, die die Auslandsaufenthalte organisiert. Bei Jeannette Jockenhövel, zuständige Lehrkraft für das Erasmus-Programm an den KSM, laufen die dafür nötigen Fäden zusammen: Sie kümmert sich um die Antragstellung, hält den Kontakt zu den Partnereinrichtungen im Ausland und ist für die Teilnehmenden vor, während und nach ihrem Aufenthalt erste Ansprechpartnerin. „Mir ist wichtig, dass sich niemand allein auf den Weg machen muss – wir begleiten jeden Schritt, von der ersten Idee bis zur Rückkehr“, sagt sie. Die Oberstufenleiterin Karin Zick ergänzt: „Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr zwei Schülerinnen einen Auslandsaufenthalt mit Ersamus + ermöglichen konnten und ihnen damit auch nach dem Abitur Chancen eröffnen. Und es ist schön zu sehen, dass junge Menschen wie Lilly den Mut haben, dieses Angebot wahrzunehmen. Wenn wir ihre Berichte aus Oslo lesen, merken wir, wie sehr sie dort fachlich und persönlich wächst – und genau dafür machen wir das.”
Berufliches Gymnasium: Vollwertiges Abitur mit Profil
Lillys Weg zeigt, was das Berufliche Gymnasium auszeichnet: Es verbindet eine anspruchsvolle gymnasiale Oberstufe mit einem klaren beruflichen Profil. In der Oberstufe der KSM stehen dafür drei Schwerpunkte zur Auswahl: Erziehungswissenschaften, Gesundheit und Wirtschaft. Wer sich für einen davon entscheidet, setzt sich bereits in der Schule vertieft mit Themen auseinander, die bei der späteren beruflichen Ausbildung möglicherweise eine zentrale Rolle spielen.
Das zahlt sich aus: “Viele Schülerinnen und Schüler des Schwerpunkts Gesundheit streben zum Beispiel ein Medizinstudium an. Sie gehen mit einem deutlichen fachlichen Vorsprung in die ersten Semester, weil sie viele Inhalte bereits aus dem Unterricht kennen,” so Karin Zick. Ähnlich ergehe es jungen Menschen, die Lehramt oder Psychologie studieren möchten: “Im Schwerpunkt Erziehungswissenschaften erwerben sie fundierte Grundlagen, auf denen sie unmittelbar aufbauen können. Und wer den Schwerpunkt Wirtschaft wählt, ist bestens auf ein wirtschaftswissenschaftliches Studium oder eine kaufmännische Ausbildung vorbereitet.”
Wichtig dabei: Am Beruflichen Gymnasium erwerben die Schülerinnen und Schüler die allgemeine Hochschulreife – ein vollwertiges Abitur. Der gewählte Schwerpunkt legt also niemanden fest, mit dem Abschluss stehen ausnahmslos alle Studiengänge und Ausbildungen offen.
