Lernen fürs Leben: Gute Zeiten, schlechte Zeiten …

… das war das allgemeine Fazit der rückkehrenden Schüler der Zweijährigen Höheren Berufsfachschule im November 2015, als sie nach dem sechswöchigen (Auslands-)Praktikum ihr erstes Feedback gaben. Empfangen wurden sie durch ihre Klassenlehrerin Simone Reinarz und die zuständige Abteilungsleiterin Regina Schöpe-Hellwig.

„Für uns ist es – seit Jahren – die differenzierteste und qualitativ höchste Einschätzung über diese Phase der Lebenserfahrung, die von der EU durch das „Erasmus +“-Programm finanziert wird. Das Praktikum ist Pflichtbestandteil der Ausbildung zu „Kaufmännischen Assistenten für das Fremdsprachensekretariat“, kommentiert Frau Schöpe-Hellwig zufrieden. Dass nach den Anschlägen von Paris am 13. November alle wieder gesund und heil nach Hause kamen, war die erste frohe Botschaft per Mails am darauffolgenden Wochenende.

Die Aufgaben im Arbeitsalltag waren sehr vielfältig und herausfordernd:

Ungewöhnliche Arbeitszeiten (samstags und sonntags) sowie abends in einem Altstadthotel in Sevilla forderten Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz von Jessica. Arbeiten mit kleinen Vorschulkindern und das Entwerfen von Arbeitsmaterialien für das ganze Schuljahr war eine andere Aufgabe.

„Wir mussten erst lernen, wie stark wir vereinfachen mussten für die Kleinen. Das war ein längerer Prozess“, kommentierten selbstkritisch, aber höchst reflektiert, Julia und Anna aus der Klasse 12 FS 01.

Leben in einer WG geht nur mit Kompromissbereitschaft auf allen Seiten“, fassen Anh und Adrian ihre Wohnsituation in Granada zusammen. Und nach acht Stunden konzentrierter Arbeit im Büro einer großen Sprachschule noch zwei bis drei Stunden täglich „den Haushalt selbst zu schmeißen“ (Einkaufen, Kochen, Wohnung sauber halten) war eine harte Schule. „Wir können unseren Müttern nur sehr dankbar sein, dass sie das alles täglich für uns machen“, regt Adrian an.

Ahn (erstes Bild) ...

Ahn und …

 

 

 

 

 

 

 

... Adrian an ihrem Arbeitsplatz im Auslandspraktikum

… Adrian an ihrem Arbeitsplatz
im Auslandspraktikum

 

 

 

 

 

 

Zum Sprachenlernen im Ausland gab es mehrere Modelle: Wochenkurse in einer Sprachschule oder aber wöchentliche, maßgeschneiderte, begleitende Kurse über die gesamten sechs Wochen verteilt, wo passgenau die Inhalte bearbeitet wurden, die sich in den Lernprozess im zweiten Ausbildungsjahr des Fremdsprachensekretariats an den KSM einfügen.

„Mein Sprachkurs fand vorher eine Woche in Paris statt“, freut sich Nohoud. „Es war toll, diese wunderschöne Stadt dadurch kennenzulernen: Aber das wirkliche Sprachenlernen fand danach in den fünf Wochen in Poitiers statt, wo ich am Arbeitsplatz Fachfranzösisch lernte und auch privat NUR Französisch sprechen musste. Jetzt habe ich ein wenig mein Deutsch vergessen“, scherzt die gebürtige Syrerin.

Aufgrund der guten Partnerschaft mit der Don-Bosco-Schule in Granada konnte eine besondere Praktikumsstelle im Psychologischen Dienst eingerichtet werden, die genau zu den Vorerfahrungen von Mariam passte. „Das war ein Glücksfall und wurde nur möglich wegen der guten Beziehungen zwischen den Organisatoren des Austausches und der Praktikumsbetreuer. So wird der Aufenthalt im Ausland zur persönlichen Bereicherung, in beruflicher und persönlicher Hinsicht“, freut sich Regina Schöpe-Hellwig.

Pauline konnte in Großbritannien ihre Berufsausbildung und ihr Hobby verbinden. Beauftragt mit der Erstellung eines „Student Guide“ für Studenten der Universität Coventry machte sie Fotos in der Stadt und auf dem Campus. Diese ersetzten die alten Fotos aus dem Netz sowohl auf der Website als auch auf Facebook. Zudem kreierte Pauline einen „blog“, in dem sie über ihre Eindrücke und Erfahrungen sowie ihre Aufgaben während der ersten drei Wochen ihres Praktikums berichtete.

Die größte Herausforderung war für Pauline und Maja, dass Coventry für sie „riesig“ war – im Vergleich zu ihren Wohnorten mit 400 und 600 Einwohnern. Aber der anfängliche „Kulturschock“ konnte bewältigt werden – ein Grund, weshalb die Verschickung „im Doppelpack“ eine gute, runde Sache ist.

Besonders erfreulich war auch Syntias Erfahrung am Ungarn-Deutschen Bildungszentrum in Baja. Da Syntia bikulturelle Wurzeln hat, war für sie das Praktikum die Chance, ihre zweite Heimatkultur kennenzulernen. Ihr Hauptprojekt dort war die Ordnung des Archivs. Da sie dies mit Bravour bestand, wurde ihr eine Arbeitsstelle als Pädagogische Assistentin angeboten, sobald dort eine Stelle frei wird.

„Erasmus +“-Mittel zu beantragen, ist ein äußerst arbeitsintensiver Prozess. Deshalb dankt Schulleiter Siegmar Günther ausdrücklich dem Erasmus-Team der Schule. „So konnte die Finanzierungssicherheit bis 2020 garantiert werden, da wir auch zertifiziert sind, was bundesweit nur ca. 30 Institutionen geschafft haben“.

In Deutschland waren wieder Reisebüros, große Industriefirmen sowie der Weltladen Marburg dabei. Die Präsentationen aller wichtigsten Erfahrungen werden Ende Januar 2016 traditionellerweise den nächsten Jahrgängen aufbereitet, für die es 2016 wieder heißt: „Mit Erasmus + ins europäische Ausland“.