Der erhobene Zeigefinger allein hilft nicht


Kaufmännische Schulen laden zum „Tag der SehnSüchte“ ein – 100 Schüler sind dabei

Süchte, Drogen und Suchtvorbeugung sind das Thema des sechsten Suchtpräventionstages an den Kaufmännischen Schulen gewesen. In Workshops haben sich die Schüler der Jahrgangsstufen elf und zwölf mit dem Thema auseinandergesetzt. Dabei gab es nicht nur den mahnenden Zeigefinger. Ein Ziel des Tages war auch, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken, sie also stark gegen Süchte zu machen.

Zum sechsten Mal haben die Kaufmännischen Schulen ihren Suchtpräventionstag auf die Beine gestellt, zu dem Ärzte, Ernährungsberater, Betreuer aus einer Suchtklinik, Karate- und Tanzpädagogen aber auch Lehrer Workshops anboten. Sechs Klassen der Sekundarstufe II (neben der Oberstufe auch Schülerinnen und Schüler für Fremdsprachensekretariat) beteiligten sich am „Tag der SehnSüchte“. Die Zahl von etwa 100 Schülerinnen und Schülern, alle über 16 Jahre alt, sei eine gute Gruppengröße zum Arbeiten, sagte Beratungslehrer Marcus Ghiai, der für die Suchtprävention an den KSM zuständig ist.

Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ in der Schulaula tauchten die Jugendlichen am Morgen in die Thematik ein. Infotafeln, die die Berufsschulklasse 10 GA 01 zusammengestellt hatte, und Flyer informierten über die klassischen Drogen wie Alkohol und andere Rauschmittel. Ein anschließendes Theaterstück der Suchtgruppe Reddinghausen zeigte, welche persönlichen Folgen durch Drogenkonsum entstehen können.

Schüler werden nicht zur Teilnahme gezwungen

Die Darsteller sind oder waren Patienten der Suchtklinik Reddighausen und sprachen mit den Schülerinnen und Schülern im anschließenden Workshop „Wege in und aus der Sucht“ über ihre Geschichten.

Dieser Workshop war nur ein Element des breit gefächerten Kursangebots, an dem die Schulklassen im Verlauf des Tages teilnehmen konnten. Neben den Workshops, die sich direkt mit Drogen und Süchten auseinandersetzten („Drogen und Gehirn“ oder „Hackedicht“ über Alkoholmissbrauch, aber auch „Suchtgefahr Computerspiel“ und „Schlank sein um jeden Preis“ über Magersucht), standen auch Kurse auf dem Programm, die auf den ersten Blick nichts mit Suchtmitteln zu tun haben. So konnten die Schülerinnen und Schüler auch in Step Arobic, Selbstverteidigung oder Orientalischen Tanz hineinschnuppern.

„Suchtpräventionsarbeit ist vorbeugende Arbeit“, so Beratungslehrer Ghiai. „Wir wollen nicht nur den erhobenen Zeigefinger zeigen, sondern Alternativen geben, so dass es gar nicht erst zum Drogenkonsum kommt“, so Ghiai weiter. Die große Bandbreite der Workshops decke viele Interessensgebiete ab, sagte der Beratungslehrer. Die Kurse sollen Selbstbewusstsein und Selbststärkung der Jugendlichen fördern.

Damit die Schüler mit Interesse und Ernsthaftigkeit in die Workshops geben, werden sie gezwungen an dem Angebot teilzunehmen. Die Klassen müssen sich mehrheitlich zur Teilnahme aussprechen, so Ghiai. Sonst gebe es zu viele Störenfriede.

Die Resonanz auf den „Tag der SehnSüchte“ sei in den vergangenen Jahren unterm Strich positiv gewesen. Und in diesem Jahr zeigten erstmals einige Kurse ihre Ergebnisse in einer abschließenden Präsentation. „Wir hoffen, dass einige Schüler Interesse an den präventiven Angeboten entwickeln“, sagte der Beratungslehrer.

Quelle: Sonja Lecher, Marburger Neue Zeitung vom 15.02.2009

 

Die Fotos zeigen verschiedene Workshops beim „Tag der SehnSüchte“ 2009
Fotos: privat


zurück