KOAL
Kooperationsmodell Arbeitslehre
Zum Schuljahr 1993/94 wird in Marburg ein Kooperationsmodell zwischen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen eingeführt, an welchem Schüler(innen) von drei Haupt- und Realschulen der Klassen 8 teilnehmen. Lehrplanmäßig ist dieses Modell im allgemeinbildenden Bereich im Fach Arbeitslehre anzusiedeln. Die Kaufmännischen Schulen nehmen seit Beginn des Projektes in der Versuchsphase teil.
Ziel dieses Projektes ist es, den Schüler(innen) bereits in dieser Schulstufe einen Orientierungsrahmen zur eigenen Berufsfindung zu geben, durch einzelne Projekte Einblicke in die Arbeitsabläufe und Besonderheiten der Ausbildungsberufe im Wirtschaftsbereich zu ermöglichen, die Kaufmännischen Schulen in ihrer Vielfalt mit ihren verschiedenen Schulformen kennen zu lernen und Anstöße für ihre individuellen Ausbildungswege - auch im vollschulischen Bereich - zu geben.
Die Schüler(innen) besuchen jeweils drei Stunden wöchentlich mit einem bzw. einer Lehrer(in) „ihrer“ Schule die Kaufmännischen Schulen. Das Projekt wird dreizügig mit einer Gruppenstärke von jeweils 12 bis 14 Schüler(innen) erprobt. Die Projekte werden in Doppelbesetzung durchgeführt, d. h. die Kolleg(inn)en der allgemeinbildenden und der Kaufmännischen Schulen bilden ein Team, welches gemeinsam in der jeweiligen Gruppe arbeitet.
Im Anschluss an die Projektstunden findet eine sog. Koordinationsbesprechung zwischen allen an diesem Projekt beteiligten Kolleg(inn)en statt.
Jeder Schülergruppe stehen für ein Projekt 13 Wochen à drei Stunden zur Verfügung.
Wie ein solches Projekt unterrichtspraktisch verwirklicht werden kann, soll beispielhaft am Produkt „Parfum“ dargestellt werden, welches mit einer Schülergruppe hergestellt und während eines Bazars verkauft wurde.
Während der ersten zwei Projekttage lernten die Schüler/innen zunächst die Schule mit ihren vielfältigen Schulformen kennen und besuchten ausgesuchte Klassen im Vollzeit- und Teilzeitbereich, um sich Informationen über Ausbildungsberufe und Unterrichtsinhalte im Bereich der Kaufmännischen Schulen von Schüler(innen) zu holen.
Anschließend erfolgte im Metaplan-Verfahren eine Ideenbörse unter der Fragestellung, welches Produkt möchten wir gerne herstellen und verkaufen. Aus den genannten Produkten wurden unter dem Gesichtspunkt der eingeschränkten Möglichkeiten einer kaufmännischen Schule, der zur Verfügung stehenden Zeit und der zur Verfügung stehenden Sachmittel Produkte ausgeschieden. Die nun noch möglichen Produkte wurden durch Punkteverteilung in eine Rangfolge gebracht. Das Produkt „Parfum“ erzielte den ersten Rang.
Die Gruppe stellte anschließend auf Kärtchen zusammen, was ihrer Meinung nach für die Produktion und den Verkauf benötigt wurde. Die Kärtchen wurden ausgewertet sowie ein Fragebogen für die Markterkundung erstellt.
In Kleingruppen gingen die Schüler(innen) in Fachgeschäfte, Drogerien und Apotheken, um zum einen Preise für die Materialien zu erkunden als auch Informationen zur Herstellung des Parfums einzuholen. Die Ergebnisse wurden zusammengestellt, Preise verglichen, günstige Bezugsquellen ermittelt.
Die Ergebnisse der Markterkundung wurden von den Schüler/innen vorgetragen, der Herstellungsprozess von Parfum geklärt, danach erfolgte der Einkauf der benötigten Rohmaterialien.
Nachdem diese theoretischen und sachlichen Grundlagen geschaffen waren, gingen die Schüler(innen) in die Produktionsphase, die nur einen Projekttag in Anspruch nahm. Das Parfum musste nun ruhen und reifen.
Während dieser Zeit gestalteten die Schüler(innen) Etiketten für Fläschchen, bemalten Verschlüsse, kalkulierten aufgrund der Selbstkostenpreise den möglichen Verkaufspreis für ihr Produkt, stellten Plakate für den Bazar her.
Bevor der Bazar stattfinden konnte, musste das Parfum, welches inzwischen „gereift“ war, in die vorbereiteten Fläschchen abgefüllt werden, der Stand aufgebaut und dekoriert, das Wechselgeld gezählt und eine Liste hergestellt werden, in welcher jedes verkaufte Fläschchen während des Verkaufes eingetragen werden musste. Anschließend wurde wieder aufgeräumt und erst am folgenden Projekttag wurde das Verkaufsergebnis ermittelt.
Zum Abschluss des Projektes wurden die Erfahrungen während des Verkaufes analysiert: War es das richtige Produkt, die richtige Duftnote für die angesprochene Zielgruppe? Was hätte man anders machen müssen, um vielleicht einen größeren Verkaufserfolg zu erzielen?
Außerdem wurden die Erfahrungen der Schüler(innen) während der Zeit an den Kaufmännischen Schulen besprochen und Lob und Kritik seitens der Schüler(innen) eingebracht.
Auf diese oder ähnliche Weise wurden inzwischen u. a. folgende Produkte hergestellt und vermarktet: Seidentücher, bedruckte und gebatikte T-Shirts, Fotokalender, Gipsbilder, Daumenkinos, Schmuck aus Plexiglas, Draht und Fimomaterial, ein Videofilm mit einem Vergleich der Kaufmännischen Schulen mit der betreffenden allgemeinbildenden Schule, ein Gedichtbändchen, eine Schülerzeitung, Aquarellbilder mit Rahmung, Zettelboxen und Badesalz. Es wurde auch eine gut besuchte Modenschau organisiert, in welcher bemalte T-Shirts vorgeführt und prämiert wurden.
Allen bisherigen Projekten ist eines gemeinsam: Schüler(innen) und Lehrer(innen) lernen zum Teil voneinander und miteinander, Schüler(innen) müssen Eigeninitiative zeigen, in einer Gruppe arbeiten lernen, Verantwortung übernehmen und zuverlässig ihre übernommenen Aufträge erledigen. Jeder einzelne ist für den Gruppenerfolg mitverantwortlich und die Gruppe muss andererseits für jeden einzelnen Verantwortung übernehmen.
Natürlich gibt es immer wieder Probleme vielfältiger Natur, die während eines solchen Projektdurchlaufes zu lösen sind. Doch der Erfolg und die Ergebnisse der Arbeit lassen die Probleme im Nachhinein immer wieder ganz „klein“ erscheinen.
Berufliches
Gymnasium (BG, Fachrichtung Wirtschaft)
Berufliches
Gymnasium (BG, Fachrichtung Gesundheit)
Berufsgrundbildungsjahr (BGJ)
- zur Zeit nicht angeboten
Berufsschule
Berufsfeld Gesundheit
Berufsschule
Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung
Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)
- zur Zeit nicht angeboten
Eingliederungslehrgang in die Berufs- und Arbeitswelt (EIBE) - zur Zeit nicht
angeboten
Einjährige
Berufsfachschule (HH)
Fachoberschule
(FOS)
Zweijährige
Berufsfachschule (BFS)
Zweijährige
Höhere Berufsfachschule für Bürowirtschaft (BW)
Zweijährige
Höhere Berufsfachschule für Fremdsprachensekretariat (FSK)
Zweijährige
Höhere Berufsfachschule für Informationsverarbeitung (FIV)